Die 18.Etappe findet vom 21. bis 26.Mai 2026 in Bayern statt. Ich orientiere mich am Main-Donau-Kanal, und damit auch am Ludwig-Donau-Main-Kanal, der Roth, der Sulz, der Altmühl und der Donau. Von Roth komme ich über das Kloster Plankstetten, Riedenburg und Bad Gögging nach Neuburg a.d. Donau. Ich lege dabei insgesamt 157 km mit dem Fahrrad in Mittelfranken und Oberschwaben zurück. Damit erreiche ich die fränkische und schwäbische Alb und befinde mich weiterhin im südwestdeutschen Mittelgebirgsland. Wer sich meine Etappe in der ursprünglichen Planung anschauen will, findet hier den Link zur Route (ohne meine Abstecher, Änderungen und Umwege) auf komoot: (Die auf dieser sich öffnenden Seite befindlichen Fotos und Texte stammen von anderen Autor*innen.)
Gemächlich.
„Time moves quickly, when you are on the road“ hörte ich just Bruce Springsteen in einer filmischen Dokumentation während eines Konzerts seinem Publikum zurufen. Nun ja, der fuhr sicherlich mit dem Auto „on the road“, wie immer. Ich bin mit dem Ebike auf Fahrradwegen unterwegs, die er nie befahren hätte. Und meine Zeit kommt mir dabei oft so vor, als käme sie nur „slowly“ voran. Ich denke, so um die 15 Kilometer im Schnitt. Also langsam. Am Main-Donau-Kanal etwas schneller, später im Auf und Ab, Hoch und Runter der Landschaft gemächlicher. Links und rechts, vor weiten landwirtschaftlichen Kulturflächen, rücken bewaldete Höhenzüge näher, scheinen vor mir kurz vor dem Horizont zusammen zu wachsen. Doch bevor ich diese Barriere erreiche, erweist sie sich als Trugschluss. Der Kanal und mit ihm mein Weg führen weiterhin durch ein Tal, das nach oben hin von einem dichten, graublauen Wolkengeschiebe abgeschlossen wird. Bei einem kühlen Wind erreiche ich mein Tagesziel, das Kloster Plankstetten.

Eng.
Für mein Fahrrad gibt es in den ehrwürdigen Gemäuern einen geräumigen Schuppen mit der Möglichkeit, die Batterie zu laden. Im Kloster kommen übers Jahr viele Radfahrende vorbei und machen Station. Ich beziehe mein Quartier, eine schmale enge Klosterzelle, wie es sich gehört in dieser Benediktinerabtei. Kein TV, WLAN nur tagsüber geschaltet, mehr schlecht als recht. Das habe ich im Kloster auch schon anders erlebt, vor Jahrten im Kloster Weltenburg. Ich hätte es auch anders haben können, in einem Neubau auf dem weitläufigen Gelände. Die dortigen modernen Zimmer aber entsprechen nicht meinem Budget, mönchsähnlich bescheiden eben. In meiner Zelle wende ich mich erstmal dem Ort angemessen dem auf dem Nachttisch ausgelegten Regelbuch der Benediktiner zu. Eine strenge Lektüre, die ich nicht lange durchhalte. Mein fränkischer Krimi sagt mir mehr zu, ehrlich.
Glocken der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt
Das Kloster finanziert sich über eine Klosterschenke mit guter Küche, einen vielfältig sortierten Hofladen, eine eigene Landwirtschaft und Übernachtungsgäste. In der Gastwirtschaft sitze ich gerne, den Hofladen nutze ich, um Proviant „an Bord“ zu nehmen - alles Bio. Ooh, auch die guten Quarktaschen, die es bei uns im Norden selten, hier im Süden jedoch bei jedem Bäcker gibt. Dazu ein doppelter Espresso, paßt schon. Im klösterlichen Buchladen versorge ich mich noch mit lokaler Krimiliteratur. Und bleibe bei heißer werdenden Außentemperaturen gerne in meiner kühleren Zelle.
Gewässerverwirrungen.
Um den tagsüber wieder steigenden Temperaturen unterwegs zumindest ein wenig aus dem Wege zu gehen, starte ich meine Weiterfahrt in der kühlen Morgenfrische. Der Weg, zunächst weiterhin am Kanal, wird mal über dem Wasser, mal dicht am Ufer geführt. Es ist eine schöne Tallandschaft, die sich vom Kanal nicht sonderlich stören läßt, und die zum Glück einiges an Schatten für mich bereit hält.

Klänge am Fahrradweg
Dennoch spüre ich schon am Vormittag ordentlich Hitze. Da hilft nur regelmäßiges Trinken und Wasser über den Kopf zu schütten. Auf meiner heutigen Tour passiert dann folgendes: die Sulz fließt in den Main-Donau-Kanal hinein und dann wieder heraus. An Schleuse 12 mündet ein Altarm des Ludwig-Donau-Main-Kanals in den neuen Kanal, ebenso wie andere kleinere Gewässer unterwegs. Und Dietfurt dann trägt den Beinamen ‚an der Altmühl‘, die ab hier den Main-Donau-Kanal ablöst? Ersetzt? Oder was? Bis Kehlheim jedenfalls fließt dieses „all-in-one-Gewässer“ in einem Bett. Wessen auch immer. Nicht meckern kann ich über die Wege aller Art, die ich heute nicht alleine befahre. Kurz vor Riedenburg, meinem Tagesziel, habe ich noch eine Steigung von 16 % zu bewältigen, die zum Glück von Bäumen beschattet wird.

Nachmittags schon sitze ich gemütlich im Eiscafé, ganz in der Nähe des Schambachs, der sich geräuschvoll in den Kanal ergießt. Abends gönne ich mir in der Schenke der Unterkunft einen bayrischen Schweinebraten. Beim abschließenden Genuss bayrischen Biers und Schnaps‘ blicke ich entspannt auf die jenseits des Kanals von der Abendsonne in ein sanftes Licht getauchte bewaldete Anhöhe. Und feiere den Abend.

Hopfen und Römer.
Heute ist viel los auf den Fahrradwegen durch das weiterhin enge Tal. Es ist Pfingstsonntag und Rudel von Radmobilisten mit Drahteseln aller Art sind auf ihrem Weg durch die ebene Landschaft. Meistens schneller als ich. Bei Kehlheim, der Altmühlmündung und dem gleichzeitigen Ende des einen und Anfang des anderen Kanals, fällt die von mir erhoffte Schifffahrt durch den Donaudurchbruch zum Kloster Weltenburg ins Wasser. Denn der Fluss führt zu wenig davon. Auf der Brücke halte ich kurz inne: Ich habe soeben die Donau erreicht. Whow!

Statt mich auf dem Wasser durch eine spektakuläre Landschaft kutschieren zu lassen, muss ich auf der jenseitigen Seite des Flusses eine lange starke Steigung hinaufklettern und dann genau so lange wieder hinunter. Und das in möglichst schnellem Tempo, um von der viel befahrenen Straße wieder auf den Radweg zu gelangen. Zum Kloster Weltenburg sind Menschenmengen unterwegs. Da ich diesen Ort mit seinem exzellenten und trubeligen Biergarten und der überbordend gestaltete Kirche bereits kenne, erspare ich mir einen Besuch dort. Den kurzen Aufenthalt am breiten Kiesstrand der Donau genieße ich aber gerne. Es ist ein einzigartiger Platz, den sich die Mönche hier ausgesucht haben.

So fahre ich, weite Strecken ungeschützt vor der heißen Sonne, noch einmal anstrengende Wege hoch und runter. Ich bin dabei lange durch Hopfengärten mit ihren in Reih und Glied aufgereihten hohen Gestängen unterwegs. Wieder an der Donau verengt sich mein Fahrweg zu einem schmalen Fußpfad, der auf einen Deich längs der zu einem schnurgeraden Kanal ausgebauten Abens führt. Doch bevor sie in die Donau mündet, taucht wie aus dem Nichts ein völlig anders gearteter Abschnitt auf. Ein noch nicht fertig gestellter, in Renaturierung begriffener Teil, der mit viel technischen Kosten und Mühen einen vielleicht so einmal gewesenen Flusslauf wieder herstellen soll. Welch ein Aufwand nach der Zerstörung des Fließgewässers wieder etwas dem Ursprünglichen, Natürlichen nahe kommenden neu zu erschaffen!
In Bad Gögging, meinem Tagesziel, erfahre ich im Kurpark mehr über den Hopfen und seinen Anbau . Hier in dem niederbayrischen Landstrich Hallertau, mundartlich Holledau, werden sage und schreibe 85 % des weltweit benötigten Hopfens angebaut.

Das bisherige Klima und der Boden trugen und tragen noch maßgeblich dazu bei. Zur Zeit der Römer wird der Hopfen noch keine Rolle gespielt haben. Bis vor die Tore des heutigen Bades reichte damals der rätische Limes, ein römischer Schutzwall. Ich fahre den kurzen Weg hinaus zum weitläufigen archäologischen Gelände des ehemaligen Römerkastells „Abusina“
benachbart zum Ort Eining.

Das Kastell war ein römisches Militärlager mit einer Vielzahl steinerner Funktionsbauten, die heute nur noch in Umrissen am Boden gezeigt werden. Diese Reste der früheren Bauten gehören mittlerweile als Teil des obergermanisch-rätischen Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Ein paarTage zurückliegend bekam ich die Nachricht, dass die von mir gebuchte Pension im nächsten Tagesziel aus persönlichen Gründen nicht zur Verfügung steht. Ich muss daher einige Kilometer weiter Neuburg an der Donau erreichen, wo ich noch kurzfristig ein Hotelzimmer bekommen konnte. Bei dem gegenwärtigen heißen Wetter eine so lange Strecke bewältigen? Ich entschließe mich, im benachbarten Neuburg einen Regionalzug nach Ingolstadt zu nehmen und von dort erst mit dem Fahrrad weiter zu fahren. Eigentlich eine gesunde Idee. Das heißt dann aber in Neuburg, einer kleinen, in die Jahre gekommenen Haltestation: Gepäck abladen, die Treppen runter und hoch, das Fahrrad den gleichen Weg, runter und hoch. Eine elende Schlepperei. Angekommen im Bahnhof Ingolstadt gehts runter mit dem Fahrstuhl, rauf aber wieder zu Fuß. Das ist schon ärgerlich.

Ich bin danach schon wieder zwei Kilometer unterwegs, da stelle ich fest: mein lieber Reiseesel Easy Livin‘ ist nicht bei mir. Scheiße! Wieder zurück, auf dem Weg suchen, im Bahnhof suchen. Nichts, das Eselchen bleibt verschwunden. Es hat sich mal wieder verdünnisiert! Wieder einmal? Die vorherige Geschichte der Verluste könnt ihr hier im Blog nachlesen.

So erreiche ich ohne meinen flauschigen Begleiter Neuburg a.d. Donau. Und habe bis dahin die 3000-Kilometer-Marke seit meinem Start 2021 in Hannover erreicht. Immerhin. So stehen mir nur noch geschätzt 1500 Kilometer bis zum Erreichen der Nordsee an diversen Flüssen bevor. Schaffe ich, wetten?
Von mir verfasst im September 2026. Es stehen jetzt noch zwei Folgen aus. Bis dahin grüßt Euer „Alter Mann am Fluss“.